Rote Lippen soll man küssen

Lippenstifte stehen für Eleganz, Verführung und uneingeschränkte Weiblichkeit. Aber das war längst nicht immer so! Über Krieger mit Lippenstift, Huren und Wirtschaftswunder

Bis heute gehört der Lippenstift zu den weltweit meist verkauftesten Schönheitsprodukten und hat bereits eine lange und interessante Geschichte hinter sich. Die Farbe auf den Lippen macht einen Look erst komplett – wie Schuhe, nur dass man von denen oft schmerzende Füße bekommt. 64 Millionen Euro gaben deutsche Frauen im vergangenen Jahr für Lippenfarben aus. Dabei ist Rot der beliebteste Ton, der mit 53 Prozent auf den Mündern der Frauen zu finden ist, danach folgen Pink und Rosa oder auch Violett, aber auch ein farbloses Gloss ist stets beliebt für einen natürlichen Look.

Die Geschichte des Lippenstiftes geht bis in das Jahr 3500 vor Christus zurück. Bei Ausgrabungen in der sumerischen Stadt Ur entdeckten Forscher eine Art Lippensalbe. Um 1350 vor Christus schminkten sich Königinnen wie Nofretete mit Hennalauge die Münder, aber auch bei Kriegern waren gefärbte Lippen nicht unüblich – heute kaum vorstellbar, dass Männer Lippenstift verwenden. Die Griechinnen im fünften Jahrhundert vor Christus dagegen hätten sich niemals mit Schminke öffentlich sehen lassen. In ihrer Kultur färbten sich nur Künstlerinnen, Hetären und Prostituierte die Lippen – in absolutes No-Go.

Ab 60 nach Christus schminkten sich Frauen aus hohen Ständen die Lippen beispielsweise mit Rotweinsedimenten und Pflanzenfarbe, bis zum 15. Jahrhundert, denn andere Mittel gab es noch nicht. Nur im alten Japan entdeckte man schon, wie gut eine Zusammensetzung aus Wachs, Honig und Pigmenten funktionierte. Dort war für hoch gestellte Frauen die Verwendung von dekorativer Kosmetik sogar eine Pflicht.

Im Barockzeitalter von 1600 – 1790 soll Königin Elisabeth I. die erste gewesen sein, die Lippenfarbe in Stiftform benutzt habe. Aufgrund der mangelhaften Haltbarkeit wurden Schminkfarben aus zerstoßenem Alabaster oder Gips, den man mit Farbpartikeln zu einer Paste rührte, in Form rollte und ihn dann an der Sonne trocknen ließ, bis er fest geworden war, in einen Stift eingeführt, um das Erneuern der Farbe handlicher zu machen. Da die harten Stifte jedoch keinen angenehmen Auftrag ermöglichten, ging der Trend zurück zu Tinkturen. Und wir wissen ja, für die Schönheit ist manchen Frauen kein Aufwand und kein Schmerz zu groß. Russlands Zarin Katharina die Große kann davon ein Lied singen. Ihre Dienerinnen mussten ihre Lippen ansaugen und aufbeißen, damit sie voll und rot aussahen. Es war zu diesen Zeiten nicht nur eine aufwändige, sondern vor allem auch eine kostspielige Angelegenheit mit roten Lippen zu entzücken. Verständlich, dass der Hype um 1800 stark abnahm und Königin Victoria 1860 sogar entschied, dass Make-up unhöfisch sei.

Ein paar Jahre später, wurde der „Stylo d’amour“ von einem Pariser Parfümeur 1883 auf der Weltausstellung in Amsterdam vorgestellt. Die damals noch extrem teure Mischung aus rot-gefärbtem Rizinusöl, Hirschtalg und Bienenwachs wurde in Seidenpapier gewickelt. Bald waren auch ausgefallene Farben wie Vitriolgrün gefragt, was den Tod mehrere Dutzend Frauen verursachte und zum Verbot des hochgiftigen Grünspanpulvers führte.

Nach all den Anlaufschwierigkeiten machte die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt den Lippenstift populär, als sie mit rotem Mund auf der Bühne stand. 1910 wurde er endlich von der französischen Kosmetikmarke Guerlain in eine Metallhülse gesteckt, 1948 auch mit Schiebemechanismus, was den Gebrauch wesentlich vereinfachte. In den Goldenen Zwanzigern wurde der Lippenstift Key Piece vieler Looks und von den Mündern der Damen nicht wegzudenken. Der Lippenstift ist heute ein täglicher Gebrauchsgegenstand für Frauen. Vor allem durch ihn ist Kosmetik zu einem großen Wirtschaftsfaktor gewachsen. Viele Neuerungen sind auf den Markt gekommen wie Lippenkonturenstifte, kussechte Farben, Naturkosmetik oder der Lip-Pen. Mittlerweile kann allein schon eine Kosmetikmarke über 100 Farben mit unterschiedlichem Finish anbieten – von matt über glossy zu frostig mit Schimmerpartikeln. Trends gibt es hierbei zu genüge und das Schöne daran ist, irgendwie ist immer alles erlaubt. Im Sommer geht die Tendenz zu leuchtenden Neon-Farben wie Orange oder Fuchsia, zur Herbst und Wintersaison 2014/15 werden die Töne wärmer. Beerige Farben wie Pflaume oder Dunkelrot, bräunliches Nude oder matte Lippen in klassischen Rot. Bei der ganzen Auswahl könnte man ja jeden Tag einen anderen auf die Lippen schmieren. Dank dem Internet helfen uns Blogger und Tragebilder jedoch ganz gut bei der Entscheidungsfindung. Jessie von Journelles gibt in Red Lips: Der große Lippenstift-Guide tolle Tipps für rote Kussmünder.

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